Stell dir vor, ein Kind geht völlig unauffällig ins Bett und wacht wie ausgewechselt auf.
Plötzlich treten Zwänge auf. Das Kind entwickelt Ängste, Tics, Konzentrationsprobleme oder massive emotionale Ausbrüche.
Eltern berichten häufig:
„Es ist, als hätte ich ein anderes Kind vor mir.“
Genau dieses plötzliche Auftreten neurologischer und psychiatrischer Symptome ist charakteristisch für PANS und PANDAS.
Was sind PANS und PANDAS?
PANS steht für Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome.
PANDAS beschreibt eine Untergruppe, bei der Streptokokken-Infektionen als Auslöser vermutet werden:
Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections.
Quelle: https://www.pandasppn.org/flowchart/#diagnose
Beide Krankheitsbilder zeichnen sich durch einen abrupten Beginn neuropsychiatrischer Symptome aus.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Diffuse körperliche Beschwerden (fast Rheuma artig, wechseln, diffus)
- Zwangsgedanken und Zwangshandlungen
- Ängste und Panikattacken
- Tics
- Konzentrationsprobleme
- Lernschwierigkeiten
- Schlafstörungen
- Reizbarkeit
- Wutanfälle
- Sensorische Überempfindlichkeiten
- Gleichgewichtsprobleme
- Handschriftverschlechterung
- Rückgang schulischer Leistungen
- Besonders auffällig ist der plötzliche Beginn.
Warum eine Infektion das Gehirn beeinflussen kann
In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass das Immunsystem und das Gehirn eng miteinander verbunden sind.
Nach bestimmten Infektionen kann es zu einer fehlgeleiteten Immunreaktion kommen. Entzündungsprozesse betreffen dann nicht mehr nur den Körper, sondern auch das Nervensystem.
Dabei können insbesondere die Basalganglien und andere Hirnregionen betroffen sein, die an Bewegung, Verhalten, Aufmerksamkeit und Emotionsregulation beteiligt sind.
Association of PANS with Brain
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32364596/
Die Rolle der Neuroinflammation
Neuroinflammation bedeutet Entzündungsvorgänge im Nervensystem.
Diese Entzündungen können:
die Signalübertragung zwischen Nervenzellen verändern
die Plastizität des Gehirns beeinträchtigen
die Energieversorgung von Nervenzellen reduzieren
die Funktion neuronaler Netzwerke verändern
Das Gehirn funktioniert dadurch nicht mehr so effizient wie zuvor.
Standford Brain Changes PANS
https://med.stanford.edu/pans/news/brain-scan-abnormalities-found-in-children-with-pans.html
Mitochondrien: Die Kraftwerke des Gehirns
Ein besonders spannender Bereich ist die mitochondriale Funktion.
Mitochondrien produzieren ATP – die universelle Energiewährung des Körpers.
Ob Aufmerksamkeit, Lernen, Bewegungssteuerung oder Emotionsregulation:
Jede Gehirnfunktion benötigt Energie.
Entzündungsprozesse können die mitochondriale Funktion erheblich beeinträchtigen.
Die Folge:
- reduzierte Energieproduktion
- erhöhte neuronale Ermüdbarkeit
- eingeschränkte Gehirnleistung
- erhöhte Stressanfälligkeit
Das Gehirn gerät in eine Art Energiesparmodus.
Warum neurozentrierte Ansätze interessant werden
Wenn Symptome nicht ausschließlich als psychologisch betrachtet werden, sondern als Ausdruck veränderter Gehirnfunktion, entstehen neue therapeutische Perspektiven.
Neurozentrierte Ansätze beschäftigen sich unter anderem mit:
- sensorischer Verarbeitung
- vestibulären Funktionen
- visuellen Systemen
- Hirnstammaktivität
- exekutiven Funktionen
- neuronaler Energieversorgung
Das Ziel besteht darin, die Funktion des Nervensystems zu verbessern und die Selbstregulation zu unterstützen.
https://stefanrieth.com/deepneuro-ausbildung/
Photobiomodulation und Low-Level-Laser-Therapie
Ein besonders interessantes Werkzeug ist die Photobiomodulation (PBM), häufig auch als Low-Level-Laser-Therapie (LLLT) bezeichnet.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Licht bestimmter Wellenlängen:
- die mitochondriale ATP-Produktion unterstützen kann
- oxidativen Stress reduzieren kann
- die Durchblutung verbessern kann
- regenerative Prozesse fördern kann
Gerade bei Fragestellungen rund um Neuroinflammation und mitochondriale Dysfunktionen gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung.
https://esmed.org/low-level-laser-therapy-anti-inflammatory-insights/
Ein neuer Blick auf PANS und PANDAS
PANS und PANDAS zeigen eindrucksvoll, wie eng Immunsystem, Mitochondrien und Gehirnfunktion miteinander verbunden sind.
Statt Symptome isoliert zu betrachten, lohnt sich ein systemischer Blick auf:
- Entzündung
- Hirnenergie
- sensorische Verarbeitung
- neuronale Netzwerke
- Selbstregulation
Je besser wir diese Zusammenhänge verstehen, desto gezielter können wir Kinder und Familien unterstützen.
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